Jörg Dederichs

3M: Von Wertschätzung und Vertrauen

Wie gestaltet sich eine gelebte Wertschätzung in Unternehmen? Der Technologiekonzern 3M hat nicht nur Vertrauen und Eigeninitiative in der Unternehmenskultur verankert, sondern fördert auch die persönlichen Talente und Stärken der Mitarbeiter.

Ein Interview von Elita Wiegand mit Dr. Jörg Dederichs, General Manager 3M Human Resources.

Was bedeutet Wertschätzung bei 3M?

Dr. Jörg Dederichs: Wertschätzung beinhaltet das Wort „Wert“. Bei 3M hat Werteorientierung eine lange Tradition und ist seit Jahrzehnten in der Unternehmenskultur verankert. Der ehemalige 3M CEO William McKnight hat in den 40er Jahren Leitsätze zu Wertschätzung, Vertrauen und Eigeninitiative entwickelt, die bis heute gelten und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Für William McKnight war die gute Führung der Mitarbeiter eine Voraussetzung für dauerhaftes Wachstum. Dadurch ist Wertschätzung fester Bestandteil unserer  Unternehmens-DNA.

Woran merken die Mitarbeiter, dass Wertschätzung, Vertrauen und Eigeninitiative in die Unternehmenskultur integriert sind?

Dr. Jörg Dederichs: Ein Beispiel ist unsere oft zitierte 15%-Regel, die besagt, dass jeder Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung 15 Prozent seiner Arbeitszeit auf Projekte verwenden kann, die ihm selber wichtig sind. Dieser Freiraum spiegelt ein hohes Maß an Wertschätzung und Vertrauen in die Mitarbeiter wider.

Und wie wird die 15-%-Regel konkret umgesetzt?

Dr. Jörg Dederichs: Es gibt immer mehr Ideen als Ressourcen. Das heißt, dass wir eine Auswahl treffen müssen. Stellen Sie sich vor, dass Sie eine neue Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung vorschlagen. Ihre Idee ist nicht in das Auswahlverfahren gekommen, aber Sie haben über unsere 15-%-Regel die Möglichkeit, an dieser Idee weiterzuarbeiten. Sie können die gesamten Entwicklungsressourcen nutzen, also alle Geräte, die im Labor vorhanden sind, und Sie können auch ein Team bilden. Wenn Sie andere von Ihrer Idee begeistern und sie dafür gewinnen, können Sie ein Entwicklungsprojekt starten. Damit setzen wir ein klares Signal, dass bei 3M Kreativität und Leidenschaft gelebt werden kann.

3M hat sich auf die Fahnen geschrieben, Talente zu entdecken und zu entwickeln. Wie passiert das?

Dr. Jörg Dederichs: Wir setzen bereits seit einigen auf stärkenorientiertes Führen. Wir nennen es „Stärken stärken”. Normalerweise werden Mitarbeiter in Seminare geschickt, um die Schwächen auszubügeln. Bei uns werden Mitarbeiter ermuntert, Ihre Stärken auszubauen. Konkret: Jeder Vorgesetzte spricht mit seinem Mitarbeiter darüber, was sein Beitrag zum Unternehmenserfolg ist und definiert, gemeinsam mit dem Mitarbeiter, messbare Ziele. Der Dialog ist uns extrem wichtig, weil dieser einen großen Teil der Wertschätzung beinhaltet. Bestandteils des Dialogs ist auch, dass man über die Entwicklung des Mitarbeiters spricht, also auch über die Stärken. Um das herauszufinden fragen wir: „Was machst Du gerne?“ Für was brennst Du? Wo geht Dir Dein Herz auf?“

Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Dr. Jörg Dederichs: Wir haben in vielen Bereichen des Unternehmens hochkomplexe Projekte, die geleitet werden müssen. Es gibt konkrete Deadlines für die ein Projektleiter verantwortlich ist. Außerdem muss ein Projektleiter sein Team zielgerichtet führen und motivieren. Unser Ansatz ist es durch Weiterbildung und Entwicklungsmaßnahmen aus sehr guten Projektleitern exzellente Projektleiter zu machen. Dadurch stärken wir sowohl den individuellen Mitarbeiter als auch die Organisation.

Nach welchen Kriterien werden die Mitarbeiter bei 3M ausgesucht?

Dr. Jörg Dederichs: Wir suchen Mitarbeiter nach der Persönlichkeit und nach ihren Talenten aus. Uns sind die persönlichen Eigenschaften eines Mitarbeiters wichtiger, als die Tatsche, an welcher Hochschule er studiert hat.

3M ist mehrfach als „Deutschlands Bester Arbeitgeber“ ausgezeichnet worden. Die Ergebnisse sind frappierend, weil ein sehr hoher Prozentsatz der Mitarbeiter den Arbeitsplatz als sehr gut beurteilt. Welche Rolle spielt das Thema Work-Life-Balance?

Dr. Jörg Dederichs: Wir haben zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, damit unsere Mitarbeiter die Arbeit in ihr Lebenskonzept integrieren können und zwar so, wie es für die einzelne Person am besten passt. Daraus abgeleitet, gibt es bei 3M viele verschiedene Arbeitsmodelle, die es jedem erlauben seine Arbeit so zu strukturieren, dass sein Privatleben und sein Berufsleben zueinander passen. Das geht bis zu Heimarbeitsplätzen und Teilzeitmodellen für Mütter oder Väter, die es erlauben, nur an bestimmten Tagen zu arbeiten. Wir haben zum Beispiel auch eine Tagesbetreuung für Mitarbeiter-Kinder unter drei Jahren. Außerdem haben wir ein Fitnessstudio im Gebäude. Die Mitarbeiter können, dort auch über Tag trainieren. Entscheidend ist für uns, dass jeder seine Arbeitspakete erledigt und nicht so sehr wann er sie erledigt. Das hat viel mit unserer Unternehmenskultur zu tun, die auf Vertrauen basiert.

Warum arbeiten Sie bei 3M?

Dr. Jörg Dedrichs:  Für mich ist es wichtig, dass ich mich mit den Werten eines Unternehmens identifizieren kann. Das kann ich bei 3M. Es ist ein innovatives Unternehmen mit 38 unterschiedlichen Geschäftsbereichen, die,  obwohl in komplett unterschiedlichen Märkten aktiv, sehr intensiv zusammen arbeiten. Das heißt auch, dass man eine Karriere in verschiedenen Geschäftsbereichen machen kann, ohne das Unternehmen verlassen zu müssen.